Wie können Checklisten uns im Alltag helfen? Wie sollten sinnvolle Checklisten aussehen? Wo haben Checklisten schon herausragende Erfolge erzielt?

Die Bedeutung von Checklisten für unser Leben

Atul Gawande Checklist-Strategie

Atul Gawande arbeitet in Boston als Facharzt für Chirurgie an einer Klinik. Als ein sogenannter Halbgott in weiß ist er tagtäglich mit schwierigen und lebenswichtigen Entscheidungen konfrontiert. Er weiß ganz genau, welch schwerwiegende Folgen Unachtsamkeit haben kann. An dieser Stelle setzt das Buch an, denn Gawande hat sich der Frage hingegeben: Wie lassen sich in hochkomplexen und zeitlich stark begrenzten Situationen Fehler vermeiden? 

Zu Beginn seines Buches erzählt er ein sehr beeindruckendes Fallbeispiel. Ein dreijähriges Mädchen, das mit ihren Eltern spazieren war, ist in einen Teich gefallen und war ganze dreißig Minuten lang unter Wasser. Die Sanitäter und anschließend die Ärzte schafften es, das Leben des Kindes zu retten. ,,Was diesen Fall so außergewöhnlich macht, ist nicht nur die Vorstellung, dass man einen Menschen, der zwei Stunden lang in einem Zustand war, den man früher als tot betrachtet hätte zurückholen kann. Es ist auch die Tatsache, dass eine Gruppe von Mitarbeitern in einem ganz normalen Krankenhaus etwas so unglaublich Kompliziertes zustande bringen kann“ (S.28). Gawande sucht Antworten darauf, wie eine solche Leistung möglich gemacht werden kann.

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Es ist nicht viel für Verbesserungen nötig

Am Anfang des Buches beschäftigt sich Gawande mit zwei wesentlichen Problemen von Fachleuten in einem komplexen Umfeld: Der ,,Fehlbarkeit des menschlichen Gedächtnisses und der Aufmerksamkeit, insbesondere wenn es um Routineangelegenheiten geht“ (S.49). Der Autor interveniert, dass Checklisten dieses Problem lösen könnten, da sie an unerlässliche Schritte erinnern und zur Fehlervermeidung einen grundlegenden Beitrag leisten können.

Im weiteren Verlauf werden Beispiele für erfolgreiche Versuche mit Checklisten aufgeführt. Es handelt sich um Fälle, in denen nachweislich durch den verstärkten Fokus auf grundlegende Dinge wie beispielsweise Händedesinfektion, die Todesrate zurückgehen konnte. 

Checklisten sind nichts Neues

Um das weltweite Problem von vermehrten Operationen zu lösen wurde Gawande von der WHO, der Weltgesundheitsorganisation, kontaktiert und um die Beihilfe einer Konferenz gebeten. Er sollte dort als  ,,Experte für die Sicherheit von Patienten in der Chirurgie“ auftreten. Gawande entwickelt dann in Zusammenarbeit mit einem Team eine Checkliste. Diese sollte Probleme, die häufig während oder nach einer Operation auftreten vermindern. Nach ersten missglückten Testläufen untersucht er Checklisten für Flugzeuge und spricht in diesem Zusammenhang mit einem ehemaligen Piloten. Hier erfahren wir, dass Checklisten, die es in der Flugbranche schon seit vielen Jahren gibt, auch Flugpassagieren schon oftmals das Leben retten konnten.

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Was ist für die perfekte Checkliste nötig?

Der ehemalige Pilot Daniel Boorman gibt für die Erstellung von Checklisten folgende Tipps: Der Zeitpunkt an dem diese Verwendet wird muss klar sein, man muss entscheiden ob es sich um eine ,,READ-DO-Checkliste“ oder eine ,,DO-CONFIRM-Checkliste“ handelt, sie darf nicht zu lang sein und die Formulierungenen sollten einfach und genau sein. (,,READ-DO-Checkliste“: Aufgabe wird während des Lesens ausgeführt; ,,Do-Confirm-Checkliste“; Aufgabe wird nach Gedächtnis ausgeführt und hinterher durch die Checkliste bestätigt)

Diese Punkte galt es auch für Gawande zu beachten. Dieser erstellte mit seinem Team eine Checkliste, die für die Einhaltung sorgen sollte. Anschließend wurde die siein der Praxis getestet wurde. Die Checkliste hat vielen Krankenhäusern geholfen leben zu retten, auch wenn ihre Akzeptanz auf Gegenwehr stößt, ist ihr nutzen unumstritten. Die Ergebnisse sind unabhängig vom Land und der Ausstattung des Krankenhauses, auch wenn einige der Punkte dem gewohnten Umfeld der Ärzte entsprechend angepasst werden mussten.

Was dieses Buch ist und was es nicht ist

Wer in diesem Buch eine Anleitung erwartet, wie man die perfekte Checkliste schreibt wird leider nicht glücklich werden. Man hat nach der Lektüre des Buches viele neue Eindrücke, wie diese aussehen könnte, bekommt aber leider keinen Schritt für Schritt Plan dafür. Man muss hier vielmehr zwischen den Zeilen lesen wo es drauf ankommt. Dieses Buch lehrt vielmehr über die Bedeutung von Checklisten. In diesem Zusammenhang war ich etwas enttäuscht und halte den Untertitel ,,Wie sie die Dinge in den Griff bekommen“ für schlecht gewählt, da er für mich etwas anderes suggeriert hat.

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Meine Top 3 Learnings

1) Checklisten müssen, um ihre Funktionsweise bestätigen zu können in der Praxis erprobt und anschließend verbessert werden. Es hat keinen Sinn eine Liste nur theoretisch zu erstellen. Es treten immer Probleme in der Praxis auf, an die man am Schreibtisch noch nicht denkt.

2) Das menschliche Gedächtnis ist bei weitem nicht fehlerfrei. Es sollten Checklisten in den Alltag eines jeden Menschen gehören, der bei komplexen Aufgaben die Übersicht behalten muss. Auch wenn man sich noch so sehr wie ein Experte fühlt, sollte dies nicht unbeachtet werden lassen. 

3) Checklisten dürfen nur die prägnanten Punkte enthalten, die für die jeweilige Aufgabe nötig sind, ganz selbstverständliche Zwischenschritte, dürfen vernachlässigt werden. Es bringt nichts alles mögliche in kleinschrittiger Weise zu notieren, wenn das von den wesentlichen Punkten ablenkt.

Infos zum Buch

btb Verlag
ISBN: 978-3-442-74474-9
Seiten: 244
Quelle meines Texts: ,,Die Checklist Strategie“ von Atul Gawande


2 Kommentare

Anne · 23. September 2018 um 08:17

In immer komplexer werdenden Fachgebieten können einem Checklisten wirklich den Allerwertesten retten – die Menschen sollen ihre grauen Zellen ja dazu benutzen, über Problemstellungen nachzudenken und nicht nur zum Auswendiglernen von Abläufen, die teilweise wirklich selten akut werden. Im beruflichen Kontext arbeite ich mit diversen Checklisten – teils für mich selber, um nichts zu vergessen, teils aber auch, um die Einarbeitung von und Kommunikation mit Kollegen einfacher zu gestalten.

Viele Grüße
Anne

Mein Senf für die Welt · 23. September 2018 um 15:00

Sei gegrüßt!

Ich bin ja ein kleiner Listen-Fetischist 😉
To-Do-Listen sind für mich überlebenswichtig. Checklisten sind in meiner Wahrnehmung nicht viel anders, nur eben für bestimmte Prozesse immer gleich. Und da sind sie sehr sinnvoll wie ich finde.

Dem Autor kann ich nur zustimmen, wenn es um die Vergesslichkeit und der damit einher gehenden Sinnhaftigkeit von Checklisten geht. Und dabei muss eine Checklist nicht mal unbedingt Leben retten: Für mich waren die Checklisten fürs Festival auch immer äußerst hilfreich. Ich hätte sonst sicher die Hälfte vergessen…

Liebe Grüße
Marina

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