Woher es kommt, dass wir so langsam lesen und was man dagegen machen kann.

Das Problem mit unserem Lesetempo und -verständnis

Die häufigsten Probleme beim Lesen von Texten, sind ein langsames Tempo und eine geringe Informationsdichte, die aus den Texten gewonnen wird. Im Durchschnitt liest ein Mensch etwa 200-240 Wörter pro Minute und hat dabei ein Verständnis von 50-70%. Als Beispiel: Die ,,Der Herr der Ringe“ Trilogie von J. R. R. Tolkien umfasst etwa 481.000 Wörter. Das bedeutet, dass ein durchschnittlicher Leser etwa 37 Stunden beschäftigt ist. Nun sei dazu gesagt, dass es sich bei diesem Buch um einen Roman handelt, der lediglich unterhalten soll. Wer sich hier abmüht und zwanghaft gegen sein natürliches Tempo liest um extra schnell fertig zu sein, wird keinen Spaß mit dem Buch haben. Warum kann sich dennoch die Frage lohnen, ob man sein Lesetempo verbessern sollte? 

Wer zur Unterhaltung lesen möchte, darf sein Tempo beibehalten. Abgehetztes Lesen ist ohnehin kein Vergnügen. Wir haben jedoch in unserem Alltag bei weitem mehr mit Informationstexten zu tun, als mit unterhaltender Literatur. E-Mails, Textnachrichten am Handy oder Sach- und Fachliteratur, sind nur ein paar Beispiele. Vor allem Schüler und Studenten haben mit der Menge an Lesestoff zu kämpfen. Hier hat sich gezeigt, dass sich von der weiterführenden Schule zum Studium die Lesegeschwindigkeit zwar deutlich erhöht, was allerdings mehr auf die Motivation als auf die Anwendung bestimmter Techniken zurückzuführen ist, aber der Abfall des Tempos zum Erwachsenenalter dagegen dramatisch sinkt, und das bis zum Niveau eines Grundschülers. Nach Studium und Schule fehlt vielen die Motivation und Antrieb zu lesen. ,,Die Lesemenge sinkt durchschnittlich auf nur ein Buch pro Jahr“(S. 42, Tony Buzan). 

Was wäre nicht alles möglich, wenn wir schneller und mit mehr Verständnis lesen könnten? Wir hätten mehr Zeit um produktiv arbeiten zu können, würden mehr und besser lernen und könnten unser Wissen praktisch spielend erweitern.

Nach der Grundschule war dann Schluss

In der Grundschule machen wir unsere ersten Leseerfahrungen und lernen folgendes: Aneinandergereihte Buchstaben ergeben ein Wort, aneinandergereihte Wörter einen Satz und aneinandergereihte Sätze einen Text. Wir beginnen in der ersten Klasse damit Buchstaben zu lernen und mit Hilfe des Wissens um die Buchstaben Wörter zu bilden. Mit den ersten Wörtern können wir erst einfache, dann kompliziertere Sätze bilden. Was wir hier in Bezug auf das Lesen lernen, ist die einzelnen Buchstaben zusammenzufassen. So ergibt sich beispielsweise aus B-A-U-M, was wir anfangs noch Buchstabe für Buchstabe lesen müssen, irgendwann ganz selbstverständliche das Wort BAUM. Dieses sogenannte Clustern von Informationen (hier Buchstaben) sorgt dafür, dass unser Gehirn statt vier einzelner Informationen nur eine verarbeiten muss. Jeder, der einen Text liest, in dem ihm unbekannte Wörter vorkommen stellt fest, dass diese Cluster im Gedächtnis noch nicht angelegt sind, und das Lesetempo hier ins Stocken gerät, weil das Wort erst einmal identifiziert werden muss. Was wir aus der Grundschulzeit dann mitnehmen, ist eine Lesemethode die es ermöglicht, Wort für Wort zu lesen. Im Schnitt sind das dann 200-240 Wörter pro Minute.

Es geht auch schneller

Tony Buzan beschreibt in seinem Buch Speed Reading Techniken, die dort ansetzen, wo unser Schulwissen aufhört. Nachdem wir gelernt haben Buchstaben zu Clustern, helfen die Techniken und Übungen im Buch dabei, das Clustern von mehreren Wörtern zu erlernen. So schafft man es auf Dauer mehrere Wörter mit einem Blick wahrzunehmen. Wir lernen außerdem, das Zurückspringen zu bereits gelesenen Wörtern zu verhindern, wie wir unser Sichtfeld vergrößern um mehr Wörter wahrnehmen zu können und welchen Wert eine Lesehilfe, wie ein Finger oder Stift, haben kann. Darüber hinaus gibt Buzan in seinem Buch noch einige Tipps darüber, wie man sich eine gute Leseumgebung schafft und gelesene Informationen mit der Hilfe von Mind-Maps sinnvoll notieren kann.

Photoreading

Wem auch Speed Reading zu langsam ist schaut sich Techniken wie Photreading an. An anderer Stelle wird es auch als Skip-, Power- oder Visualreading bezeichnet. Hierbei geht es darum, einen Text mit einem Blick zu erfassen, die Informationen über das Unterbewusstsein aufzunehmen und im Nachhinein abzurufen. Die Weltrekordhalterin Anne Jones hat so das Buch ,,Harry Potter und die Heiligtümer des Todes‘‘ in 47 Minuten gelesen haben. Vera F. Birkenbihl beschreibt diese Methode beispielhaft so: ,,Stellen Sie sich vor, dass Sie im Wartezimmer einer Arztpraxis sitzen und darauf warten, dass ihr Name aufgerufen wird. Ihre Aufmerksamkeit liegt darauf zu hören, welche Namen aufgerufen werden. Jetzt beginnen Sie damit in einer Zeitschrift zu Blättern. Nach ein paar Seiten Blättern Sie plötzlich wieder zurück, weil Sie auf einmal das Gefühl haben, dass auf den vorangegangenen Seiten doch etwas Interessantes stand.‘‘ Dies Beispiel zeigt die Arbeitsweise der Photoreadingtechnik. Informationen werden mit Hilfe des Unterbewusstseins aufgenommen und im Nachhinein ins aktive Bewusstsein geholt. Damit sollen Geschwindigkeiten von bis zu 25.000 Wörtern pro Minute möglich sein.

Hier der Link zu dem Birkenbihl Video: https://www.youtube.com/watch?v=HuPDAU0jbyM

Weiterführende Literatur:

*

*Werbung, da Amazon Affiliate Partner Link

Quellen:

https://www.zeit.de/2007/48/C-Power-Reading

http://lotrproject.com/statistics/books/wordscount

Tony Buzan – Spead Reading

Bildquellen

Die Bilder sind dem Buch ,,Spead Reading‘‘ von Tony Buzan entnommen (Seiten 42 und 43).


1 Kommentar

engy · 10. Januar 2019 um 01:11

…interessantes Thema… ehrlich, da habe ich noch nie drüber nachgedacht. Bei mir kommt es auf den Inhalt an! Umso langweiliger oder uninteressanter ein Text, um so schneller lese ich, wobei ich, wenn es zu langweilig wird abschweife und mich anschließend frage, was ich denn da gerade gelesen habe!
Danke für den Beitrag und die Buchtipps!
L*Grüssle
engy

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.